Tagebuch von Clara Katharina Pollaczek, 13.–18. Februar 1931


kennen! Gestern Mittag nach der Probe ass er bei mir. Als ich ihm beim
Fortgehen die Hand gab, zog er mich zärtlich an sich, küsste mich und
dankte mir für all meine Ratschläge. Am Abend rief er mich noch an.
15.2.1931. Gestriger Erfolg viel grösser als ich zu hoffen gewagt. Wenn
er mir gefolgt und die paar allzu peinlichen Stellen geändert hätte,
besonders den Schluss, dann wäre es bestimmt einer der grössten Erfolge
gewesen, die man sich denken kann.
Mit Dr. D. und Anny in der Loge. Nachher alle bei A. genachtmahlt.
A. sehr müde. Keine Premierenstimmung. Und doch war der Erfolg unum¬
stritten da.
Viele Anrufe. Die ersten Kritiken sehr gut. Hofrätin Z. rief mich mit
grosser Herzlichkeit an. Sie sagte: »Wer denn verdient heute angeru¬
fen zu werden, wenn nicht Sie.« Man ist wirklich schon erstaunt,wenn
ein Mensch Herz hat. Prof. Julius S. war gesern einen Moment in der Lo¬
ge, kühl und fremd zu mir wie immer. Vormittag mit A. kurze Zeit spa¬
zieren. Abend im Kino. Dann bei ihm. Er zeigte mir die ersten Entwür¬
fe zum Gang zum Weiher. Seine Art zu arbeiten ist merkwürdig.
Ich führte das ganze Stück auf ein Erlebnis in Schweden zurück, wo
er einem jungen ahnungslosen Mädchen beim Baden in Meer zusah. Er meint,
ich habe vielleicht Recht, obwohl ihm der Zusammenhang dieses Erlebnis¬
ses, das er auch in der Traumnovelle erwähnt nicht bewusst war.
Ich fühle mich physisch nicht sehr wohl.
16.2.1931. Carry Magdi zu Tisch.Garry mit einer Furunkel den ganzen
Nachmittag bei mir gelegen. Thermophor auf der Wange. Wenn Aerzte krank
sind behandeln sie sich besonders dumm. Ich müde bis zur Bewusstlosig¬
keit.
17.2.1931. Vormittag nur bei Marfeld wegen Film. Abend mit A.
18.2.1931. Mit A. bei Gie und Giin, Gastspiel Palasty, die gut tanzt,
sonst ungarisch und mies ist. Nachher Weissen Hahn genachtmahlt.