Arthur Schnitzler an Clara Katharina Pollaczek, 2. März 1926

2. März 1926

Arthurs Antwort.

(vor Arthurs Mittelmeer-Reise
mit seiner Tochter.)

Wien, 2.3.1926.

Liebe, du schreibst nicht nur viel bessere Briefe als ich, sondern
du bist überhaupt eine bessere Art Wesen als ich es bin. Ich weiss
das, – und ich verstehe dich sehr gut. Glaube mir, zwei Dinge aber
scheinen mir klar: erstens dass wir unsere Beziehung mit Entschie¬
denheit auf eine andere Basis stellen müssen, da diese ewigen Con¬
flicte, die gewiss zum allergrössten Theil in Eigenheiten und Män¬
gel meiner Natur, wohl auch meines Herzens und überdies in gegebenen
Thatsachen des äusseren Lebens ihre Ursache haben, und auf mich, ich
will es gestehen, ebenso seelisch wie physisch ruinös wirken. Zwei¬
tens: dass zwei Menschen, die zu einander so stehen wie du und ich,
einander nicht einfach verlassen können und dürfen.–

Gespräche und Briefwechsel über diese tausendmal durchgesprochenen
Themen haben keinen Sinn. Ich sage Dir für alle Fälle, dass ich
(es war schon geschehn) sowohl (wahrschein¬
lich) für heute (Oper) als für morgen (Josefstadt) Sitze habe; –
willst Du mit mir gehen, so würde es mir eine Freude sein; – wenn
nicht, so werde ichs natürlich begreifen, (und gehe natürIich auch
nicht). – Und in jedem Falle rufe ich Dich heute Nachmittag zwischen
½5 und 5 an.

Arthur.