Tagebuch von Clara Katharina Pollaczek, 4.–10. Juli 1931


Sonst nur Hofrat Pollak, ohne Frieda. Nachmittag war ein starkes Gewi¬
ter.

Sonntag. 5.7. Mittag bei A., lavierende Gespräche über die Sommerreise.
Nach Tisch schlief er im Garten ein. Ich ging bald fort. Abends wieder
drüben mit Donaths. Müdigkeit und Verlegenheit auf allen Seiten.

Montag Vormittag 6.7.Hedwig Abschied genommen, dann bei Krupnik ein
einfaches weisses Kreid gekauft. Auch das ist mir zu mühsam – Kleider
aussuchen, probieren, dazu bin ich zu müd. Mir wurde fast schlecht.

Eben Anruf Prof. Schinnerer, war sehr bewegt. Als wir in Territet aus¬
einandergingen – es sind noch nicht 2 Jahre – da war ich noch froh und
glücklich. Ich schäme mich, dass er mich und unsere Beziehung so wie¬
dersieht.

Jetzt erwarte ich Dr. Selinger und Karl, dann auch A., der plötzlich mit
den Beiden über mich sprechen will. Ich glaube, er misstraut mir
und möchte wissen, ob ich wirklich leidend bin.

Dienstag 7.7. Gestern Abend im Prater mit A. und Prof. Schinnerer, der
sehr gut aussieht und sehr nett zu mir ist. Bei Prochaska genachtmahlt.
Dann Wurstlprater, Bauchredner etc. A. recht gut aufgelegt, aber gegen
mich kühl wie immer; eine Erleichterung, dass Schinnerer dabei ist.

Bei der Unterredung A.'s mit Cary und den Aerzten war ich nicht anwesend,
ich ging in den Garten hinunter. Morgen soll ich mich röntgenisieren
lassen.

Donnerstag 9.7. Gestern und heute Vormittag Spital, Untersuchungen mit
Barium. Ausgebreiteter Darmkatarrh, Gallenstein. Seit 2 Tagen heftige
Schmerzen im rechten Fuss, angenehm für den Semmering. Nerven täglich
schlechter. Gestern Abend mit A. allein Kino »Tropennächte«, dann bei
Gruss genachtmahlt. Qualvoll.–Geburtstag meiner Mutter.-

Freitag 10.7. Mühsam in der Stadt ein paar Besorgungen. Dann mit Anna
bei Klomser schlecht gegessen. Sie ist der beste Mensch. Ich glaub, sie