Clara Katharina Pollaczek an Arthur Schnitzler, 18. August 1927


Man sitzt beisammen, tratscht, fühlt den Puls, neckt sich ein bisl, bummelt
durch den Park und sitzt gegen Abend bei den Glashäusern, von wo man die
schönste Aussicht über die Wiesen und Felder bis zum Bachergebirge
hinüber hat und lässt sich von den letzten Strahlen der Sonne bescheinen.
Die Landschaft ist lieblich, das Bild einer gesegneten Landwirtschaft
und ich gebe zu, dass speziell hier das Schloss, der Park mit den zwei,
von grünen Linsen, wie von Moos überwucherten Teichen, den wundervollen
uralten Bäumen die stärkste Wirkung auf mich ausüben. Die Abendbeleuch¬
tung in dem weissen Kreuzgang, der rings um den Schlosshof geht und in
den alle Räume münden, ist märchenhaft. Ich freue mich Dir mehr davon
zu erzählen. Und ich möchte mich auf unser Zusammensein freuen, ich möch¬
te, dass es ein gutes und schönes wird.–In diesem Sinn umarme ich Dich
in Gedanken sehr innig.

Deine C.K.