Arthur Schnitzler an Clara Katharina Pollaczek, 18. Oktober 1925


Heini; der indessen mein Stück gelesen hatte und mir zu Jessner
rät, – vor allem wegen Krauss. – Die Nachmittagsstunden widmete ich
den »Schwestern« – um für die heutige Unterredung mit Barnowsky
gerüstet zu sein. Er möchte die Komödie ohne Pausen spielen (sehr
richtig); doch vorher einen andern Einakter von mir (zu Beginn des
Abends) (Komtesse Mizi).

Im Schauspielhaus. Première des Grabbe'schen Hannibal: Jessner
hatte mich in seine Loge geladen, wo ich der Vorstellung
Seite seiner Gattin beiwohnte. Er selbst (nur auf Minuten da) war
von grosser Liebenswürdigkeit; – und in der ersten Minute sagte er
dass er vor allem eine Rolle für die Lossen brauche; ich
deutete die Existenschaft meines neuen Stücks an: – er bat mich für
Montag in die Intendanz.–Der Inszenierungserfolg und der per¬
sönliche Erfolg von Jessner, – sowie Krauss war ausserordentlich.
(Das ist wirklich ein grosser Schauspieler.) – Von Heini sprach J.
fast wie von einem persönlichenen Schutzbefohlenen; – seine Beliebt¬
heit ist allgemein; und sein Erfolg im Stück seines Vaters scheint
den Leuten eine besondere Genugtuung zu bereiten.–Im Theater sprach
ich Kerr und Frau, Bettina, die seit ein paar Tagen wieder hier lebt
(und mir Grüsse an Heini auftrug, – der über ihr Hiersein erstaunt
war), – Paul Goldmann, mit Tochter die zum Theater geht.–Nach
dem Theater nachtmahle ich mit Heini im Esplanade.

Gestern hatte ich Deinen kurzen Brief vom 16.–so scheint also aus
dem Miether-Angelegenheit nichts zu werden – was mir eher sympathisch
ist – Habe Geduld, mein Kind; – ich bin überzeugt, dass sich eine
günstigere Lösung finden wird, wenn Du nichts überstürzt.-

Aus der Sternwartestrasse habe ich nichts gehört. Da O., wie mir Heini
sagt, zirka 25. hier sein will, sehe ich sie jedesfalls noch in Wien.-