Clara Katharina Pollaczek an Arthur Schnitzler, 14. Oktober 1925

An A.S., Berlin.

Wien, 14.10.1925.

Mein Liebes, von dem heutigen Tag, der nun zu Ende geht, ist zu berich¬
ten, dass Vormittag sich ein Direktor M. die Wohnung angesehen hat,
der sie in derselben Kombination mieten möchte, wie Stranskys im Vor¬
jahr. Er kommt morgen mit seiner Frau nochmals her und dann wird sich
die Sache entscheiden. Pekuniär wäre es wohl das Günstigste, aber für
mich ist der Gedanke wieder aus Wohnung und Wirtschaft vertrieben zu
sein so traurig, wie ich es Dir gar nicht sagen kann. Nun, man wird
sich abfinden müssen, wie man sich schon so manchmal abgefunden hat.
Meinesfalls würde ich unter diesen Umständen in die zwei rückwärtigen
Zimmer ziehen, da diese Leute die Familie meines Mannes sehr gut kannten,
und ich zugänglicher sein müsste, als es mir passen würde. Wie schön
wäre es und wie gut das alles mit Dir besprechen zu können und Deine
meinung zu hören, obwohl ich mir sicher Mühe gebe das Vernünftigste zu
tun.

Heute nach Tisch rief ich Frieda P. an, um sie für morgen
oder einen der nächsten Tage zu mir zu bitten. So erfuhr ich, was Du
wohl inzwischen auch erfahren haben wirst, dass O. mit Lilly gestern
hier eingetroffen ist. O. wohnt in der Wohnung Almas und will 8
Tage bleiben. Frieda und ich sind gleich empört über dieses selbstän¬
dige Vorgehen so über Deinen Kopf hinweg und wir hoffen nur, dass Du
Dich darüber nicht alterieren wirst. Meine Meinung über diese Frau
wird immer mehr bestärkt und der Einfluss der Alma ist sicher auch
nicht der beste. Aber im Effekt ist es ja eigentlich gleichgültig,
ob sie jetzt ein paar Tage hier sitzt oder nicht.

Ich bin schon sehr neugierig, wie die Premièrefrage dort
steht und das Resultat Deiner Unterredungen mit Fischer etc. Bitte
schreibe möglichst deutlich, denn ich plage mich sehr manches Wort zu