<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="ckp777.xml" xml:base="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp" prev="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp776.xml" next="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp778.xml"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title level="s">Clara Katharina Pollaczek: »Arthur Schnitzler und
                                    ich«</title><title level="a">Clara Katharina Pollaczek an Arthur Schnitzler, 14. Mai 1930</title><title type="alternative" when-iso="1930-05-14"/><author ref="#12435">Pollaczek, Clara Katharina</author><editor><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name></editor><funder><name>FWF - Der Wissenschaftsfonds</name><address><street>Sensengasse 1</street><postCode>1090 Wien</postCode><placeName><country>A</country><settlement>Wien</settlement></placeName></address></funder></titleStmt><editionStmt><edition>CKP</edition><respStmt><resp>Transkription</resp><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name><name>Mangel, Michael</name></respStmt></editionStmt><publicationStmt><publisher>Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural
                                    Heritage</publisher><pubPlace>Vienna</pubPlace><date when="2023">2023</date><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de"><p>Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder
                                            Medium vervielfältigen und weiterverbreiten Bearbeiten —
                                            das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und
                                            zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.</p><p>Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen
                                            solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter
                                            folgenden Bedingungen:</p><p>Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und
                                            Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und
                                            angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben
                                            dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht
                                            werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht,
                                            der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung
                                            besonders. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen
                                            keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren
                                            einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen,
                                            was die Lizenz erlaubt.</p><p>Hinweise:</p><p>Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich
                                            solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder
                                            soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und
                                            Schranken des Urheberrechts gedeckt sind. Es werden
                                            keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet.
                                            Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle
                                            Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen.
                                            Es können beispielsweise andere Rechte wie
                                            Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu beachten sein,
                                            die Ihre Nutzung des Materials entsprechend
                                            beschränken.</p></licence></availability><idno type="handle"/></publicationStmt><seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur
                                    Schnitzler</p></seriesStmt><sourceDesc><listWit><witness n="1"><msDesc><msIdentifier><country>A</country><settlement>Wien</settlement><repository>Wienbibliothek</repository><idno>H.I.N. 155550</idno></msIdentifier></msDesc></witness></listWit></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><langUsage><language ident="de-AT">German</language></langUsage></profileDesc><revisionDesc status="proposed"><change who="LU" when="2022-12-25">Angelegt</change></revisionDesc></teiHeader><facsimile><graphic url="ckp777"/></facsimile><text><body><div type="writingSession" n="1"><p>
      <lb n="01"/>die Zweisamkeit, ohne dass man die Freiheit wirklich geniesst.
      <lb n="02" type="paragraph-begin"/>Aber vielleicht ist Dir eine vollkommene Freiheit und
      <lb n="03"/>die innere Ruhe, die Dir darauf erstehen könnte, heute zuträglicher
      <lb n="04"/>und wichtiger, als eine Beziehung, die sich nicht ganz Deinen Wünschen
      <lb n="05"/>anzupassen vermag.
      <lb n="06" type="paragraph-begin"/>Ich kann heftige Worte und <hi rend="underline" n="">alles</hi> vermeiden, was Du mit
      <lb n="07"/>Szenen zu bezeichnen pflegst und habe es auch seit vielen, vielen Mo¬
      <lb n="08"/>naten getan. Aber ich <hi rend="underline" n="">kann</hi> es nicht verhindern, dass Du mir anmerkst,
      <lb n="09"/>wenn ich bedrückt oder traurig bin. Du tust mir weh und verzeihst mir
      <lb n="10"/>nicht, dass ich leide. Du strafst mich, indem Du mich kühl behandelst
      <lb n="11"/>und redest Dich in einen Zustand von Verkrampfung hinein, aus dem
      <lb n="12"/>Du schliesslich keinen Ausweg mehr findest.
      <lb n="13" type="paragraph-begin"/>Leidenschaft kann vergehen, aber Liebe und Zärtlichkeit
      <lb n="14"/>muss übrig bleiben, damit eine Beziehung gut und schön sein kann. Und
      <lb n="15"/>Liebe und Zärtlichkeit hat keine Altersgrenze.
      <lb n="16" type="paragraph-begin"/>Darum, mein Liebes, wenn Du fühlst, dass Du mich noch
      <lb n="17"/>wirklich gern hast, wenn Dir bewusst ist, dass ich nichts Unbilliges
      <lb n="18"/>verlange, wenn Dir an unserer Beziehung, an <hi rend="underline" n="">mir</hi> noch so viel liegt,
      <lb n="19"/>dass die <hi rend="underline" n="">kleinen</hi> Rücksichten, die nötig sind, kein Opfer bedeuten,
      <lb n="20"/>dann, aber auch nur dann rufe mich an, wenn Du diese Zeilen gelesen
      <lb n="21"/>hast. Nie, mein Kind, habe ich verlangt oder erwartet, dass Du Deine
      <lb n="22"/>frühere Frau nicht mehr siehst und sprichst. Es handelt sich hier
      <lb n="23"/>lediglich um das Ausmass der Begegnungen, worunter ich auch nicht ihre
      <lb n="24"/>heurige Anzahl, sondern nur<hi rend="underline" n=""> Form,</hi> <hi rend="underline" n="">Dauer</hi> und die fortwährenden Kontakte
      <lb n="25"/>durch zunehmende telefonische Gespräche etc. verstehe, kurzum all das,
      <lb n="26"/>was ich fortwährend empfinde und Dir und mir überflüssige Irritatio¬
      <lb n="27"/>nen schafft.
      <lb n="28" type="paragraph-begin"/>Ist Dir aber Deine völlige Freiheit in Deinem Programmen,
      <lb n="29"/>in allem, was Du tun oder unterlassen willst, <hi rend="underline" n="">wichtiger</hi>, dann, Kind -</p></div></body></text></TEI>