<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="ckp624.xml" xml:base="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp" prev="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp623.xml" next="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp625.xml"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title level="s">Clara Katharina Pollaczek: »Arthur Schnitzler und
                                    ich«</title><title level="a">Clara Katharina Pollaczek an Arthur Schnitzler, 28. Dezember 1928</title><title type="alternative" when-iso="1928-12-28"/><author ref="#12435">Pollaczek, Clara Katharina</author><editor><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name></editor><funder><name>FWF - Der Wissenschaftsfonds</name><address><street>Sensengasse 1</street><postCode>1090 Wien</postCode><placeName><country>A</country><settlement>Wien</settlement></placeName></address></funder></titleStmt><editionStmt><edition>CKP</edition><respStmt><resp>Transkription</resp><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name><name>Mangel, Michael</name></respStmt></editionStmt><publicationStmt><publisher>Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural
                                    Heritage</publisher><pubPlace>Vienna</pubPlace><date when="2023">2023</date><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de"><p>Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder
                                            Medium vervielfältigen und weiterverbreiten Bearbeiten —
                                            das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und
                                            zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.</p><p>Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen
                                            solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter
                                            folgenden Bedingungen:</p><p>Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und
                                            Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und
                                            angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben
                                            dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht
                                            werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht,
                                            der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung
                                            besonders. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen
                                            keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren
                                            einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen,
                                            was die Lizenz erlaubt.</p><p>Hinweise:</p><p>Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich
                                            solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder
                                            soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und
                                            Schranken des Urheberrechts gedeckt sind. Es werden
                                            keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet.
                                            Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle
                                            Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen.
                                            Es können beispielsweise andere Rechte wie
                                            Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu beachten sein,
                                            die Ihre Nutzung des Materials entsprechend
                                            beschränken.</p></licence></availability><idno type="handle"/></publicationStmt><seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur
                                    Schnitzler</p></seriesStmt><sourceDesc><listWit><witness n="1"><msDesc><msIdentifier><country>A</country><settlement>Wien</settlement><repository>Wienbibliothek</repository><idno>H.I.N. 155550</idno></msIdentifier></msDesc></witness></listWit></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><langUsage><language ident="de-AT">German</language></langUsage></profileDesc><revisionDesc status="proposed"><change who="LU" when="2022-12-25">Angelegt</change></revisionDesc></teiHeader><facsimile><graphic url="ckp624"/></facsimile><text><body><div type="writingSession" n="1"><p>
      <lb n="01" type="paragraph-begin"/>An A.S., Berlin.
      <lb n="02" type="paragraph-begin"/>Wien, 28.12.1928.
      <lb n="03" type="paragraph-begin"/>Liebster,
      <lb n="04" type="paragraph-begin"/>ich bin erst nach 8 Uhr von der Alma nach Hause gekommen,
      <lb n="05"/>habe genachtmahlt und will Dir nun rasch meine Impressionen schil¬
      <lb n="06"/>dern, so lange sie noch frisch sind. Ich habe noch nie eine so komische
      <lb n="07"/>Mischung von Boheme und Kleinbürgerlichkeit gesehen. In dem schmalen,
      <lb n="08"/>etwas schlamperten Vorzimmer stürzte ein Mittelding zwischen Diener
      <lb n="09"/>und Groom freudegrinsend auf mich zu, half mir ablegen und schob mich
      <lb n="10"/>in ein Zimmer, wo mich Werfel erwartete und mir eine Entschuldigungs¬
      <lb n="11"/>rede wegen der Gedichte halten wollte. Ich erklärte ihm, ich sei
      <lb n="12"/>nicht böse. Alma tauchte einen Augenblick in einem unmöglichen niel¬
      <lb n="13"/>grünen tiefdecolletierten Teagown auf, begrüsste mich mit grosser
      <lb n="14"/>Herzlichkeit und hoffte mich später zu sehen. Diverse Mäntel im Vor¬
      <lb n="15"/>zimmer hatten mir Gäste verraten, die ich später zu sehen bekam. In-¬
      <lb n="16"/>dessen sprach Werzel lang mit mir über meine Gedichte, von denen er
      <lb n="17"/>sagte, dass sie ihm, je öfter er sie liest, desto stärker berühren, d.h.
      <lb n="18"/>eine Anzahl von ihnen. Die, die ihm <hi rend="underline" n="">nicht</hi> gefallen, sind alle aus frü¬
      <lb n="19"/>heren Zeiten und ich verstand sehr gut, was er meinte und mir gefallen
      <lb n="20"/>sie auch nicht mehr. Gut sind mit wenigen Ausnahmen nur die, die ich
      <lb n="21"/>im Zusammenhang mit Dir gemacht habe, oder vielmehr in den glücklichen
      <lb n="22"/>und unglücklichen Stimmungen der letzten Jahre. Er sagte aber, dass
      <lb n="23"/>man auch bei den schlechteren Gedichten die starke lyrische Begabung
      <lb n="24"/>spürt, sie seien alle musikalisch und stark empfunden, nur sprachlich
      <lb n="25"/>oft abgegriffen und banal. Ich muss ihm Recht geben. Von den späteren
      <lb n="26"/>Gedichten findet er manche vollendet, besonders die »Traurigen« aus
      <lb n="27"/>Gardone (Ort und Datum stehen nicht dabei). Er riet mir sehr viel Ge¬
      <lb n="28"/>dichte zu schreiben, denn er glaubt, dass ich noch Bedeutendes leisten
      <lb n="29"/>könnte und ich solle es ihm zu lesen geben oder vorlesen, wenn ich et¬
      <lb n="30"/>was fertig habe und er hofft, wir werden uns jetzt oft sehen und spre¬
      <lb n="31"/>chen. Ich hatte ein gutes Gefühl nach diesem Gespräch und glaube an</p></div></body></text></TEI>