<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="ckp580.xml" xml:base="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp" prev="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp579.xml" next="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp581.xml"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title level="s">Clara Katharina Pollaczek: »Arthur Schnitzler und
                                    ich«</title><title level="a">Clara Katharina Pollaczek an Arthur Schnitzler, 25. August 1928</title><title type="alternative" when-iso="1928-08-25"/><author ref="#12435">Pollaczek, Clara Katharina</author><editor><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name></editor><funder><name>FWF - Der Wissenschaftsfonds</name><address><street>Sensengasse 1</street><postCode>1090 Wien</postCode><placeName><country>A</country><settlement>Wien</settlement></placeName></address></funder></titleStmt><editionStmt><edition>CKP</edition><respStmt><resp>Transkription</resp><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name><name>Mangel, Michael</name></respStmt></editionStmt><publicationStmt><publisher>Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural
                                    Heritage</publisher><pubPlace>Vienna</pubPlace><date when="2023">2023</date><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de"><p>Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder
                                            Medium vervielfältigen und weiterverbreiten Bearbeiten —
                                            das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und
                                            zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.</p><p>Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen
                                            solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter
                                            folgenden Bedingungen:</p><p>Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und
                                            Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und
                                            angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben
                                            dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht
                                            werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht,
                                            der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung
                                            besonders. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen
                                            keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren
                                            einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen,
                                            was die Lizenz erlaubt.</p><p>Hinweise:</p><p>Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich
                                            solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder
                                            soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und
                                            Schranken des Urheberrechts gedeckt sind. Es werden
                                            keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet.
                                            Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle
                                            Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen.
                                            Es können beispielsweise andere Rechte wie
                                            Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu beachten sein,
                                            die Ihre Nutzung des Materials entsprechend
                                            beschränken.</p></licence></availability><idno type="handle"/></publicationStmt><seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur
                                    Schnitzler</p></seriesStmt><sourceDesc><listWit><witness n="1"><msDesc><msIdentifier><country>A</country><settlement>Wien</settlement><repository>Wienbibliothek</repository><idno>H.I.N. 155550</idno></msIdentifier></msDesc></witness></listWit></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><langUsage><language ident="de-AT">German</language></langUsage></profileDesc><revisionDesc status="proposed"><change who="LU" when="2022-12-25">Angelegt</change></revisionDesc></teiHeader><facsimile><graphic url="ckp580"/></facsimile><text><body><div type="writingSession" n="1"><p>
      <lb n="01" type="paragraph-begin"/>Semmering, 25.8.1928.
      <lb n="02" type="paragraph-begin"/>An A.S. Hohenschwangau.
      <lb n="03" type="paragraph-begin"/>Mein Liebes,
      <lb n="04" type="paragraph-begin"/>heute bleibe ich wohl ohne brief von Dir, denn die ein¬
      <lb n="05"/>zige Post, die am Sonntag ausgetragen wird, war schon da.
      <lb n="06" type="paragraph-begin"/>Ich bin bei Donner und Blitz aufgewacht; ein Gewitter um
      <lb n="07"/>½8 Uhr Früh, das später in Regen überging und dieser in aufsteigende Nebel
      <lb n="08"/>und vorübergehenden Sonnenschein. Jetzt sieht es wieder eher nach
      <lb n="09"/>Regen aus und es ist schwül.
      <lb n="10" type="paragraph-begin"/>Ich bin um 10 Uhr in die kleine Milchwirtschaft gegangen,
      <lb n="11"/>die ich seit drei Tagen gegen die Meierei getauscht habe. Sie liegt
      <lb n="12"/>oberhalb des Hochwegs und ist ein sehr komisches kleines Lokal mit
      <lb n="13"/>einer Terrasse und roten Schirmen und einem sehr herzigen appetitli¬
      <lb n="14"/>chen Frühstückszimmer. Nur eine Dame war ausser mir noch da. Nach
      <lb n="15"/>dem Kaffee verlangte sie eine Zigarette – man brachte sie ihr, dann
      <lb n="16"/>verlangte sie kohlensaures Natron, man brachte es – dann verlangte
      <lb n="17"/>sie eine Sonntagspredigt – und sofort erklang per Radio die Stimme
      <lb n="18"/>eines ungarischen Priesters. Der Wirt erklärte entschuldigend, bei
      <lb n="19"/>uns in Wien beginne das Hochamt erst um 11. Ich lief davon und weiter
      <lb n="20"/>bis zum Panhans. Am Heimweg kam mir ein nach Hunderten zählender
      <lb n="21"/>Zug von Sozis entgegen mit roten Flaggen, roten Blusen oder roten
      <lb n="22"/>Kravatten, meist Lausbuben, auch Weiber und halbwüchsige Mädeln und
      <lb n="23"/>schliesslich auch eine grosse Musikbande. Sie sangen: »Wir sterben
      <lb n="24"/>für unsere Fahne« – aber sie sahen aus, als täten sie es eher für ein
      <lb n="25"/>Glas Bier. Dann sangen sie auch: »Wir schützen mit unserm Arm die
      <lb n="26"/>Erde, auf dass die Welt <hi rend="underline" n="">erlöset</hi> werde« oder so ähnlich. <hi rend="underline" n="">Die</hi> werden's
      <lb n="27"/>machen!! Meinst Du nicht?
      <lb n="28" type="paragraph-begin"/>Ich glaub, ich werde wieder weiter spazieren laufen. Es ist
      <lb n="29"/>so eine Unrast in mir, wenn ich nicht an Dich schreibe zieht es mich
      <lb n="30"/>hinaus. Gestern Abend ging ich um ½10 noch in die Halle hinüber, um</p></div></body></text></TEI>