<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="ckp484.xml" xml:base="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp" prev="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp483.xml" next="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp485.xml"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title level="s">Clara Katharina Pollaczek: »Arthur Schnitzler und
                                    ich«</title><title level="a">Clara Katharina Pollaczek an Arthur Schnitzler, 11. September 1927</title><title type="alternative" when-iso="1927-09-11"/><author ref="#12435">Pollaczek, Clara Katharina</author><editor><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name></editor><funder><name>FWF - Der Wissenschaftsfonds</name><address><street>Sensengasse 1</street><postCode>1090 Wien</postCode><placeName><country>A</country><settlement>Wien</settlement></placeName></address></funder></titleStmt><editionStmt><edition>CKP</edition><respStmt><resp>Transkription</resp><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name><name>Mangel, Michael</name></respStmt></editionStmt><publicationStmt><publisher>Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural
                                    Heritage</publisher><pubPlace>Vienna</pubPlace><date when="2023">2023</date><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de"><p>Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder
                                            Medium vervielfältigen und weiterverbreiten Bearbeiten —
                                            das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und
                                            zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.</p><p>Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen
                                            solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter
                                            folgenden Bedingungen:</p><p>Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und
                                            Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und
                                            angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben
                                            dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht
                                            werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht,
                                            der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung
                                            besonders. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen
                                            keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren
                                            einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen,
                                            was die Lizenz erlaubt.</p><p>Hinweise:</p><p>Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich
                                            solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder
                                            soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und
                                            Schranken des Urheberrechts gedeckt sind. Es werden
                                            keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet.
                                            Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle
                                            Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen.
                                            Es können beispielsweise andere Rechte wie
                                            Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu beachten sein,
                                            die Ihre Nutzung des Materials entsprechend
                                            beschränken.</p></licence></availability><idno type="handle"/></publicationStmt><seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur
                                    Schnitzler</p></seriesStmt><sourceDesc><listWit><witness n="1"><msDesc><msIdentifier><country>A</country><settlement>Wien</settlement><repository>Wienbibliothek</repository><idno>H.I.N. 155550</idno></msIdentifier></msDesc></witness></listWit></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><langUsage><language ident="de-AT">German</language></langUsage></profileDesc><revisionDesc status="proposed"><change who="LU" when="2022-12-25">Angelegt</change></revisionDesc></teiHeader><facsimile><graphic url="ckp484"/></facsimile><text><body><div type="writingSession" n="1"><p>
      <lb n="01" type="paragraph-begin"/>An A.S. nach Venedig-Lodo.
      <lb n="02" type="paragraph-begin"/>Wien, 11.9.1927.
      <lb n="03" type="paragraph-begin"/>Liebster,
      <lb n="04" type="paragraph-begin"/>heute Mittag kam Dein Expressbrief an, dem ich mit ei¬
      <lb n="05"/>nigem Bangen entgegengesehen habe. Er sagte mir nichts Neues, nichts
      <lb n="06"/>Anderes. Es ist immer, als redete ich an Deinem Herzen vorbei. Was
      <lb n="07"/>soll ich antworten, was beschliessen? Womit tue ich Dir und mir am
      <lb n="08"/>wenigsten weh?
      <lb n="09" type="paragraph-begin"/>Du sagst: »Es wurden grössere Opfer von liebenden Frauen
      <lb n="10"/>und um geringerer Werte willen gebracht.« Zugegeben. Aber haben
      <lb n="11"/>nicht grosse, bedeutende Männer für (vielleicht schönere), aber si¬
      <lb n="12"/>cher nicht bessere Frauen mehr Gefühle verschwendet,im wahrsten
      <lb n="13"/>Sinn des Wortes? – Mit Beispielen kommen wir nicht aus, es kommt doch
      <lb n="14"/>immer auf die Beteiligten an. Gewiss verstehe ich, dass es eine Er¬
      <lb n="15"/>leichterung Deines Lebens bedeutet, dass Zwist und Gehässigkeiten zwi¬
      <lb n="16"/>schen Dir und O. aufgehört haben und ich hätte sicher auch nichts
      <lb n="17"/>gegen fallweise Gespräche zwischen Euch, wenn sie nicht die wäre, die
      <lb n="18"/>sie nun einmal ist: hemmungslos und geschmacklos in allem, was sie <hi rend="underline" n="">tut</hi>
      <lb n="19"/>und <hi rend="underline" n="">spricht</hi>. Wenn sie nur einen Funken Zartgefühl hätte, so würde sie
      <lb n="20"/>sich nicht jetzt wieder in den Cottage hinaussetzen. Frau Schneider
      <lb n="21"/>ist keine genügende Begründung und man darf sich das Leben nicht gar so
      <lb n="22"/>bequem machen. Sie hätte ihre Freundin auch in einem anderen Bezirk
      <lb n="23"/>Wiens treffen können. Aber nicht um das handelt es sich, was <hi rend="underline" n="">sie</hi> hätte
      <lb n="24"/>tun sollen, sondern, was aus uns werden soll.
      <lb n="25" type="paragraph-begin"/>Sieh, mein Kind, damit Du siehst, dass es bei mir nicht
      <lb n="26"/>Starrsinn, nicht Einsichtlosigkeit ist, will ich Dir sagen, was ich möch¬
      <lb n="27"/>te. Ziehen wir durch diese letzte Zeit einen dicken Strich und be¬
      <lb n="28"/>ginnen wir mit reinem, frohem, zuversichtlichem Herzen eine neue Zwei¬
      <lb n="29"/>samkeit, so als ob wir uns vor ein reines weisses Blatt setzen würden,
      <lb n="30"/>um eine frische, wunderschöne Arbeit zu beginnen. Nur dass wir auf
      <lb n="31"/>dieses Blatt Beide gemeinsam mit guten Gefühlen schreiben müssen,</p></div></body></text></TEI>