<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="ckp446.xml" xml:base="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp" prev="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp445.xml" next="https://id.acdh.oeaw.ac.at.at/ckp/ckp447.xml"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title level="s">Clara Katharina Pollaczek: »Arthur Schnitzler und
                                    ich«</title><title level="a">Zwischenbemerkung, 5. Juni 1927</title><title type="alternative" when-iso="1927-06-05"/><author ref="#12435">Pollaczek, Clara Katharina</author><editor><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name></editor><funder><name>FWF - Der Wissenschaftsfonds</name><address><street>Sensengasse 1</street><postCode>1090 Wien</postCode><placeName><country>A</country><settlement>Wien</settlement></placeName></address></funder></titleStmt><editionStmt><edition>CKP</edition><respStmt><resp>Transkription</resp><name>Müller, Martin Anton</name><name>Untner, Laura</name><name>Mangel, Michael</name></respStmt></editionStmt><publicationStmt><publisher>Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural
                                    Heritage</publisher><pubPlace>Vienna</pubPlace><date when="2023">2023</date><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de"><p>Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder
                                            Medium vervielfältigen und weiterverbreiten Bearbeiten —
                                            das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und
                                            zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.</p><p>Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen
                                            solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter
                                            folgenden Bedingungen:</p><p>Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und
                                            Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und
                                            angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben
                                            dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht
                                            werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht,
                                            der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung
                                            besonders. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen
                                            keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren
                                            einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen,
                                            was die Lizenz erlaubt.</p><p>Hinweise:</p><p>Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich
                                            solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder
                                            soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und
                                            Schranken des Urheberrechts gedeckt sind. Es werden
                                            keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet.
                                            Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle
                                            Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen.
                                            Es können beispielsweise andere Rechte wie
                                            Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu beachten sein,
                                            die Ihre Nutzung des Materials entsprechend
                                            beschränken.</p></licence></availability><idno type="handle"/></publicationStmt><seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur
                                    Schnitzler</p></seriesStmt><sourceDesc><listWit><witness n="1"><msDesc><msIdentifier><country>A</country><settlement>Wien</settlement><repository>Wienbibliothek</repository><idno>H.I.N. 155550</idno></msIdentifier></msDesc></witness></listWit></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><langUsage><language ident="de-AT">German</language></langUsage></profileDesc><revisionDesc status="proposed"><change who="LU" when="2022-12-25">Angelegt</change></revisionDesc></teiHeader><facsimile><graphic url="ckp446"/></facsimile><text><body><div type="writingSession" n="1"><p>
      <lb n="01"/>Ich wünschte ich hätte diese Novelle, die einen unglaublichen Erfolg hat-
      <lb n="02"/>nie geschrieben. Ich glaube ich werde sie nie mehr lesen können, Ich hab
      <lb n="03"/>mit dem Tod eines anderen Menschen gespielt. Ich hätte ihr nie das klein¬
      <lb n="04"/>ste Leid zugefügt ihr nie etwas Böses gewünscht, aber auch das was ich
      <lb n="05"/>getan habe war eine Schuld oder ist eine geworden.-
      <lb n="06" type="paragraph-begin"/>Der Vater der Frau Grosavesku, die ihren Mann ( wegen der Josephine Strans¬
      <lb n="07"/>ky) erschossen hat, rief mich an, um mir für diese Novelle zu danken und
      <lb n="08"/>er hat richtig empfunden, dass auch diese Tat eine Anregung für mich war,
      <lb n="09"/>ich bekem Briefe von Frauen, die mir im Namen vieler anderer dankten, und
      <lb n="10"/>och wünschte ich, ich hätte sie nie geschrieben.
      <lb n="11" type="paragraph-begin"/>A. war bei mir noch ehe er zu Prim- L. ging. Er sagte es sei ihm eine Be¬
      <lb n="12"/>ruhigung mich noch vorher zu sehen. Wir sprachen erst ganz ruhig über den
      <lb n="13"/>Fall, mit einer gewollten Ruhe. Als er sich erhob um zu gehen, verliess
      <lb n="14"/>mich plötzlich meine Kraft. Ich barg meinen Kopf weinend an seiner Brust.
      <lb n="15"/>Er umfing mich und wir küssten uns mit einer stummen Zärtlichkeit die
      <lb n="16"/>über allen Worten war. Bei der Türe kehrte er dann nochmals um und küsste
      <lb n="17"/>meine Hände meine Augen.
      <lb n="18" type="paragraph-begin"/>Er rief mich am N.M. noch zweimal an. Am Abend waren Alma und Werfel bei
      <lb n="19"/>ihm. Er wollte ihnen nicht absagen und ich war froh ihn nicht allein zu
      <lb n="20"/>wissen.
      <lb n="21" type="paragraph-begin"/>Montag machten wir einen schönen Spaziergang in den Prater, am Abend waren
      <lb n="22"/>wir im Kino und dann nachtmahlen wir im Opernkeller. A. schien ermüdet und
      <lb n="23"/>ich behandelte ihn wie einen Patienten.
      <lb n="24" type="paragraph-begin"/>Gestern Dienstag war ich am Abend bei ihm. Er las mir viele Aphorismen vor
      <lb n="25"/>die nächstens als Band heraus kommen sollen. Manche sind unerhört schön
      <lb n="26"/>manche zu gewunden und unklar. Ich wählte noch einige für die Sammlung aus.
      <lb n="27"/>Nach dem Abendessen schlummerte er eine Zeit lang den Kopf an meiner Brust.
      <lb n="28"/>Wir sprachen kein Wort von Fr. L. die heute (Mittwoch V. M.) begraben
      <lb n="29"/>wird--</p></div></body></text></TEI>